Britische Wirtschaftskammer
50 Jahre BCCG im Südwesten – 50 Jahre deutsche-britische Erfolgsgeschichte im "Ländle"
Stuttgart. Simon Kendall: Die deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen sind von besonderer Bedeutung - und ein Schwungrad für die Wirtschaftskraft der EU. Rainer Wieland: Drei Generationen Frieden und Freiheit - auch ein Verdienst der Europäischen Union.
Über 200 Ehrengäste waren gekommen, um im Foyer der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Herzen Stuttgarts zu feiern. Gegenstand der Feier ist das 50-jährige Bestehen der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) in Baden-Württemberg – der britischen Wirtschaftskammer in Baden-Württemberg. Reiner Kunz, Chairman Baden-Württemberg der BCCG konnte mit Stolz zahlreiche Ehrengäste begrüßen, unter ihnen Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Hans-Joachim Strüder, Vorstandsmitglied der LBBW und Dr. Peter Merk, Chef der Research-Abteilung der LBBW, sowie Simon Kendall vom Britischen Generalkonsulat München.
Die Jubiläumsfeier war zugleich als Jahresauftakt gedacht, auf dem traditionell Kurzreferate zu inhaltlich aktuellen Themen gehalten werden. In seiner Eröffnungsansprache wies Simon Kendall darauf hin, dass die deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen von besonderer Bedeutung seien – immerhin seien Großbritannien und Deutschland die beiden stärksten Wirtschaftsnationen innerhalb der Europäischen Union (EU). Gleichwohl wünscht er sich, dass die Kenntnisse der Menschen über das jeweils andere Land noch vertieft werden und damit Vorurteile abgebaut werden. Als Beispiel nannte er den Finanzhandelsplatz London, der in den Köpfen vieler Menschen als wichtigster Teil der Wertschöpfung der britischen Volkswirtschaft gesehen werde, was aber nicht zutreffe: Schiffsbau, Automobilbau, Maschinenbau, aber auch die Landwirtschaft seine wichtige Säulen der britischen Wirtschaft. Auch bezüglich der Innovationsfähigkeit der britischen Wirtschaft müsse sich keiner Sorgen machen: Immerhin sei London die Stadt, in der weltweit die meisten Elektroautos zugelassen seien.
Dr. Peter Merk machte in seinem Vortrag klar, dass die Krise der griechischen Staatsfinanzen im wesentlichen „hausgemacht“ sei und belegte dies eindrucksvoll an Zahlen und Fakten. Kein Verständnis hat er für die Verschleierung der wahren Zahlen gegenüber der Öffentlichkeit. Dies habe das Vertrauen der EU und seiner Mitgliedsstaaten, aber auch das Vertrauen aller übrigen Staaten, die mit Griechenland in Beziehung stehen, erschüttert ( „Die griechischen Zahlen sind leider getürkt!“). Trotz allem sprach er sich dafür aus, Griechenland zu helfen, wobei Griechenland nur dann mit konkretem Beistand rechnen könne, wenn es dazu bereit sei, auch mit einschneidenden Maßnahmen die Wirtschaft – und damit die Staatsfinanzen – zu konsolidieren.
Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland, gab einen interessanten Einblick in die jüngsten Entwicklungen auf europäischer Ebene: Dabei nahm er das Stichwort „Griechenland“ auf und warb um einen fairen Umgang mit dem EU-Partnerland: In schwierigen Situationen zeige sich erst eine wahre Freundschaft und Griechenland könne sich darauf verlassen, dass die EU dabei helfe, das es aus der Krise herauskomme – allerdings nicht mit bloßen Geldangeboten, sondern mit einem abgestimmte Maßnahmenpaket, bei dem beiden Seiten ihren Verpflichtungen nachkommen müssten. Hart ins Gericht ging er dabei mit despektierlichen und arrogant auftretenden Medien wie dem Focus-Magazin: „Mit seiner Titelstory über das angeschlagene Griechenland hat sich der „Focus“ aus dem Kreis der seriösen Medien verabschiedet“, stellte er entschieden fest.
Rainer Wieland ging in seinem Vortrag auch auf die innere Demokratisierung der EU ein: Die EU habe enorme Fortschritte gemacht: Während die EU-Kommission vor Jahren noch als „Hüter der europäischen Vereinbarungen der Mitgliedsstaaten über allen EU-Gremien stand“, entwickle sie sich nach und nach zur „Exekutive“, zum Ausführungsorgan dessen, was das EU-Parlament kraft seiner Beschlüsse fordere – dies habe man jüngst auch daran sehen können, dass die EU-Kommissare ohne Bestätigung des Parlaments ihr Amt nicht antreten können. So könne heute das Europaparlament durch Beschlüsse mit absoluter Mehrheit den Europäischen Rat zwingen, initiativ zu werden. „Das EU-Parlament hat sich zum gleichberechtigten Mitgesetzgeber entwickelt“, stellte Wieland stolz fest. Die EU stelle – so Wieland abschließend – eine Erfolgsgeschichte dar: „immerhin haben wir in der dritten Generation in Europa Frieden und Freiheit – das ist auch das Verdienst der EU!“ Daher sollte Baden-Württemberg stolz darauf sein, als „quasi zehntgrößter Mitgliedsstaat der EU“ zu dieser Gemeinschaft freier Demokratien zu gehören.
Abschließend zeigte Heinz Dunkel, eines der ersten Mitglieder und heute Ehrenbeirat der Britischen Wirtschaftskammer in Baden-Württemberg, in einem Bildvortrag Stationen der Entwicklung der „BCCG“ von den Anfängen im Jahre 1960. Besondere Highlight war dabei der Besuch von Prinz Philipp bei der Kammer vor einigen Jahren. Aufbau, Vision und Ziel der BCCG ist der Homepage zu entnehmen (siehe obenstehender Link).
(Redaktion)
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